Der Inferno-Triathlon von Thun auf das Schilthorn ist vermutlich härter als der Ironman auf Hawaii. Unbestritten ist jedenfalls, dass er mit seinen 5500 Steigungsmetern zu den härtesten Rennen der Welt gehört. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass man ein verbissener Asket sein muss, um hier anzutreten.

Für die 32-jährige Salomé Burki ist dieser Wettkampf Genuss und Vergnügen. Das Training nennt sie «Zeit für mich selbst» und richtig zufrieden ist sie, wenn sie den Sport als Bestandteil in ihren Alltag einbauen kann. Etwa wenn sie mit dem Rennvelo nach Bern an die Uni fährt und nur 20 Minuten länger unterwegs ist, als wenn sie den Zug nähme.

«Fast seekrank»

In Thun startet sie diesen Samstag, «weil an diesem Rennen die Stimmung familiär ist, die Athleten sich gegenseitig helfen und es weniger auf die Zeit ankommt, als es überhaupt ins Ziel zu schaffen». Morgens um halb sieben schwimmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer 3,1 Kilometer durch den Thunersee. «Für mich die grösste Herausforderung», sagt Salomé Burki, die den Triathlon schon 2013 bestritten hat. «Von den Wellen wurde ich fast seekrank und zweimal bin ich mit Schwemmholz kollidiert, worauf mir noch schwindliger wurde.»

Kaum aus dem See, wird auf das Rennvelo gewechselt. Die Strecke führt von Oberhofen auf den Beatenberg, dann via Interlaken und Meiringen über die Grosse Scheidegg nach Grindelwald. «Landschaftlich wunderschön», schwärmt Burki, auch wenn die Strasse auf dem letzten Stück durch Kuhweiden führt und das Pannenrisiko gross ist.

Zum Dessert aufs Schilthorn

In Grindelwald wird sie in der Mittagshitze auf das Mountain-Bike umsteigen und über die Kleine Scheidegg, teilweise auf der Strecke des Lauberhorn-Skirennens, nach Lauterbrunnen biken. Dort folgt zum Nachtisch die Laufstrecke auf das Schilthorn – 25 Kilometer und 2175 Höhenmeter.

Die letzte Partie unter dem berühmten Gipfelrestaurant muss nach mehr als zwölf Stunden Wettkampf mehr oder weniger geklettert werden. Aber genau das Bild von diesen letzten Metern motiviert Salomé Burki seit ihrem Teilnahmeentscheid im Herbst 2016 täglich beim Training.

Die grosse Krise blieb aus

Beflügelnd» nennt die in Feldbrunnen aufgewachsene Sportlerin diesen Wettkampf. Es muss damit zusammenhängen, dass sie den Inferno-Triathlon vor vier Jahren «richtig geniessen» konnte, wie sie versichert. «Ich habe mich in der ganzen Vorbereitung auf eine grosse Krise während des Rennens eingestellt – und dann kam sie einfach nicht», erzählt Burki.

Statt dessen bewunderte sie die gewaltige Berglandschaft, schenkte einem Athleten mit Panne ihr Veloflickzeug und kam nach 12 Stunden und 50 Minuten als 19. von 58 gestarteten Frauen auf dem 3000 Meter hohen Gipfel an. Am Tag danach kraxelte sie noch einmal 900 Höhenmeter, um sich auf der Bussalp ob Grindelwald einen ausgiebigen Brunch zu genehmigen.

«Mental bin ich stark»

Ist Aufgeben eine Option? «Aus technischen oder körperlichen Gründen sicher», sagt Burki, «aber aus mentalen Gründen kann ich es mir nicht vorstellen. Mental bin ich stark».

Sie wird es wissen, beschäftigt sie sich doch im Masterstudium gerade mit Motivationstheorie. Zudem ist sie als Tochter des bekannten Olympiaarztes Adrian Burki von Kindsbeinen an mit der Sportszene vertraut. Mit dem Vater absolvierte sie zweimal den Gigathlon und mit ihm führt sie heute auch Leistungstests durch oder übernimmt Patienten für Sporttherapien. Seit einem Jahr arbeitet Salomé Burki, die neben Abschlüssen in Betriebswirtschaft und Sportwissenschaft auch über etliche Spezialausbildungen als Therapeutin und Trainerin verfügt, als selbstständiger Coach in Solothurn.

Fitness ist für sie jedoch nicht kurzfristige Körperverschönerung. Sie will die Freude am Sport wecken und ihn als Bestandteil im Alltag ihrer Kundschaft integrieren. Regelmässigkeit ist dabei elementar, «denn ein Bewegungsguthaben gibt es nicht», sagt Burki. Dazu gehört für sie, dass Sport vor allem draussen und ohne Maschinen stattfindet: «Wer die Bewegung in der Natur geniesst, ist psychisch gesünder und hat eine bessere Balance im Alltag.» In ihrem Studium widmet sie sich gerade vertieft dem Sport in der zweiten Lebenshälfte. «Das sind die Themen, die mich interessieren.»

Timing ist suboptimal

Zunächst aber interessiert sie der Inferno-Triathlon. Seit neun Monaten trainiert sie wöchentlich 12 Stunden. In den vergangenen sechs Wochen waren es 16 bis 20 Stunden. Schon am Dienstag nach dem Wettkampf tritt Salomé Burki drei Tage lang zu Uni-Prüfungen an. «Das Timing ist vielleicht nicht optimal», sagt sie mit breitem Grinsen. Aber wenn ich mir im Sport kein Ziel setze, dann nehme ich mir zu wenig Zeit für mich selbst.»

 

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